Das gilt für Selbstständige, die Social Media für ihr eigenes Geschäft lernen wollen. Wer Social-Media-Managerin werden will, braucht andere Wege, meistens mit Abschluss. Darum geht es hier nicht.
Ich kenne diese Wege von der anderen Seite des Tisches. Ich habe ein Buch über Social Media geschrieben und einen Kurs für Hochzeitsdienstleister gegeben. Ich unterrichte am Berufsförderungswerk Nürnberg und an der Noris-Arbeit (NOA). Und ich begleite Selbstständige einzeln über mehrere Monate.
Reicht ein Buch, um Social Media zu lernen?
Für den Anfang oft ja. Ein Buch gibt dir die Grundlagen in einer sinnvollen Reihenfolge. Du liest in deinem Tempo und kannst später nachschlagen. Aktuelle Fachbücher kosten zwischen 22 und 40 Euro. Kostenlos findest du vieles im Netz, aber selten in einer Reihenfolge, die aufeinander aufbaut.
Ich habe selbst eins geschrieben, das Social Media Handbuch für Unternehmen. Es ist als Einstieg gedacht, mit dem du allein arbeiten kannst. Es geht darin um Strategie, die Wahl der Plattform, Inhalte, Community und darum, wie du Reels, Anzeigen und Trends einordnest.
Gerade deshalb weiß ich ziemlich genau, was ein Buch nicht kann. Es sieht nicht, wo du gerade stehst. Es liest deinen Beitrag nicht und sagt dir nicht, warum er nicht ankommt. Und wenn du an einer Stelle hängst, wartet es, bis du von selbst weiterkommst.
Manchmal kommt man nicht von selbst weiter. Das heißt nicht, dass das Buch schlecht war. Es ist der Moment, jemanden dazuzuholen.
Warum hören so viele mitten im Onlinekurs auf?
Ein Onlinekurs kann mehr als ein Buch. Du siehst, wie jemand es vormacht, und weißt, wo du klicken musst. Videokurse bei Udemy kosten 35 bis 140 Euro, kleinere deutsche Anbieter nehmen 150 bis 350 Euro netto, umfangreiche Premiumkurse rund 1.000 Euro netto.
Das Problem ist das Durchhalten. Wie groß es ist, zeigt eine Auswertung aller Onlinekurse von MIT und Harvard auf der Plattform edX, erschienen 2019 in der Fachzeitschrift Science. Im Studienjahr 2017/18 haben 3,13 Prozent derjenigen abgeschlossen, die einen Kurs überhaupt begonnen hatten. Wer für ein Zertifikat bezahlt hatte, kam zu 46 Prozent ans Ende.
Das sind kostenlose Hochschulkurse, keine Social-Media-Kurse. Das Muster lässt sich trotzdem übertragen: Wer bezahlt hat, kommt deutlich häufiger durch. Aber auch von diesen Leuten hört mehr als die Hälfte vorher auf. Für bezahlte Social-Media-Kurse gibt es keine belastbare Zahl. Die oft zitierten 97 Prozent Abbruch haben keine Quelle, die sich finden lässt.
Worauf du deshalb bei einem Kurs achten kannst: Lässt er dich selbst machen, mit Aufgaben und Rückmeldung, oder schaust du vor allem zu? In meinem Unterricht gibt es keinen Frontalunterricht. Alle machen mit, weil man Social Media beim Machen lernt.
Wo die meisten aussteigen, steht im Fahrplan für die ersten sechs Wochen: in Woche eins bei der Frage, für wen das alles ist, und in Woche fünf beim Einrichten, wenn Datenschutz und Musikrechte auftauchen. An beiden Stellen hilft dir kein weiteres Video.
Was bringt ein Kurs in der Gruppe?
Diesen Lernweg kenne ich am besten, weil ich selbst unterrichte.
Am Berufsförderungswerk Nürnberg sind das Erwachsene, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können und sich neu orientieren. In derselben Gruppe sitzt jemand, der noch nie einen Computer angeschaltet hat, neben jemandem, der den Kurs selbst halten könnte. Die angehenden Kaufleute im E-Commerce, die ich dort online unterrichte, fragen nicht mehr, was Facebook ist. Bei ihnen geht es darum, was rechtlich gilt und was ein Online-Auftritt braucht.
An der Noris-Arbeit sind es Jugendliche, die meist gar keinen Computer haben, nur Handy und Tablet. Für sie ist jedes Tablet ein iPad. Mit ihnen fange ich viel früher an und habe dafür weniger Zeit.
Dasselbe Thema, drei völlig verschiedene Startpunkte. Ein Kurs von der Stange kennt nur einen.
In jeder dieser Gruppen steigt irgendwann jemand aus. Das ist nicht schlimm, bei mir gilt: Alles kann, nichts muss. Meine Aufgabe ist dann, der Person den Wiedereinstieg leicht zu machen. Genau das fehlt beim Buch und beim Videokurs.
Eine Gruppe bringt dir außerdem feste Termine, und deine Fragen werden sofort beantwortet. Dafür gibt die Gruppe das Tempo vor, und für deinen besonderen Fall bleibt wenig Zeit.
Volkshochschulen und städtische Bildungszentren haben kurze Formate für 15 bis 80 Euro, die VHS Fürth zum Beispiel einen anderthalbstündigen Instagram-Kurs online für 19 Euro. Ein Tagesseminar bei der IHK kostet 345 bis 550 Euro, ein IHK-Zertifikatslehrgang mit rund 70 Stunden 1.690 bis 2.400 Euro. Den Abschluss brauchst du für dein eigenes Geschäft nicht. Er zählt vor allem, wenn du Social Media für andere machen willst.
Für Solo-Selbstständige gibt es dafür eine Förderung, das Bundesprogramm KOMPASS. Es übernimmt 90 Prozent der Kosten bis 5.000 Euro netto, wenn du seit mindestens zwei Jahren hauptberuflich selbstständig bist. Gefördert werden nur Kurse in der Gruppe ab 20 Stunden, keine Selbstlernkurse und kein Einzelcoaching. Wichtig: erst den Förderscheck holen, dann buchen. Die Schecks sind zurzeit knapp.
Was bringt ein einzelnes Coaching, und was kostet es?
Ein einzelner Termin reicht, wenn du eine konkrete Frage hast. Welcher Kanal passt zu mir? Warum läuft dieses Format nicht? Soll ich jetzt mit Anzeigen anfangen? So etwas lässt sich in einer Stunde klären.
Die Voraussetzung: Du weißt, was du fragen willst. Und dir ist klar, was danach passiert. Die Umsetzung liegt wieder allein bei dir.
Bei fünf deutschen Anbietern, die ihre Preise offen auf die Seite schreiben, kostet eine Einzelstunde Social-Media-Coaching 120 bis 250 Euro netto. Das ist eine Stichprobe, keine Statistik. Zum Vergleich: Business-Coaching kostet laut der Coaching-Marktanalyse von RAUEN im Schnitt 176 Euro netto pro Stunde.
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Begleitung?
Ein Coaching beantwortet eine Frage. Eine Begleitung bleibt da, während du umsetzt.
In einer Begleitung bekommst du Aufgaben für die Zeit zwischen den Terminen. Du zeigst echte Beiträge und echte Anzeigen, nicht nur Pläne, und bekommst Rückmeldung darauf. Und wenn du aussteigst, merkt es jemand und holt dich zurück. An dieser Stelle bist du mit Buch und Kurs allein.
Dass Rückmeldung beim Lernen wirkt, ist gut untersucht. Eine Auswertung von 435 Studien zeigt vor allem eins: Am stärksten wirkt Rückmeldung, die nicht nur sagt, was falsch war, sondern auch, warum und wie es besser geht. Sie wirkt etwa doppelt so stark wie ein bloßes Richtig oder Falsch mit Lösung. Die Studien stammen aus Schule und Hochschule. Dass es bei Selbstständigen und ihrem Instagram-Kanal genauso ist, ist meine Erfahrung, keine Studie.
Begleitungen laufen je nach Anbieter acht Wochen bis sechs Monate. Zwölf Wochen mit sechs bis acht Terminen kosten 1.650 bis 2.780 Euro netto, vier Monate mit wöchentlichen Terminen auch 4.500 Euro.
Du brauchst keine Begleitung, wenn du mit Buch oder Kurs gut vorankommst. Und sie passt nicht, wenn du zwischen den Terminen keine Zeit zum Umsetzen hast. Dann zahlst du für Aufgaben, die liegen bleiben.
Was kosten Buch, Kurs, Coaching und Begleitung im Vergleich?
Preise nebeneinander sagen wenig, solange nicht klar ist, was du wofür brauchst. Deshalb eine Rechnung mit Beispielwerten.
Weg eins: Du fängst allein an. Ein Fachbuch für 30 Euro, ein Onlinekurs für 200 Euro. Nach zwei Monaten hängst du an einer Stelle und buchst zwei Einzeltermine zu je 150 Euro netto. Zusammen sind das 530 Euro.
Weg zwei: Du buchst gleich eine Begleitung über zwölf Wochen, sagen wir für 2.000 Euro netto. Darin steckt auch Hilfe bei den Teilen, die du mit dem Buch allein geschafft hättest.
Weg eins kostet also gut ein Viertel. Trotzdem ist er nicht immer der bessere. Wenn du nach dem zweiten Einzeltermin wieder an derselben Stelle stehst, fehlt dir kein Wissen. Dann fehlt dir jemand, der dranbleibt. Und jeder neue Anlauf kostet dich Monate, in denen auf deinem Kanal nichts passiert.
Daraus ergibt sich eine einfache Reihenfolge. Fang mit dem Buch an. Hol dir einzelne Termine, wenn du eine konkrete Frage hast. Und denk über eine Begleitung nach, wenn du merkst, dass du immer wieder an derselben Stelle aussteigst.
Wo netto dabeisteht, kommt die Umsatzsteuer noch dazu. Wenn du Kleinunternehmerin bist, zählt für dich der Bruttopreis.
