Warum stehen hier überhaupt Zeitangaben?
Ich habe an anderer Stelle geschrieben, dass eine feste Stundenzahl in die Irre führt. Das halte ich weiter für richtig. Es war trotzdem nur die halbe Wahrheit.
Am deutlichsten sehe ich das bei Müttern. Wenn ich einer Mutter sage, ich könne ihr keine Zeitangabe machen, höre ich als Antwort nicht „interessant". Ich höre „dann ist das nichts für mich". Und sie hat recht damit. Sie hat einen Nachmittag, oder sie hat ihn nicht.
Deshalb stehen hier grobe Zahlen. Nicht „drei Stunden", sondern „ein Nachmittag". Ungenau genug, um ehrlich zu bleiben, konkret genug, um es in einen Kalender zu schreiben.
Was heißt „ein Nachmittag" bei dir?
Die Einheiten unten sind: ein Vormittag, ein Nachmittag, ein Abend, ein ganzer Tag. Was das in Stunden bedeutet, ist bei dir anders als bei mir.
Wer ein Ladengeschäft hat, arbeitet um Öffnungszeiten herum. Da ist ein Vormittag die Stunde vor dem Aufsperren plus die Mittagsflaute. Wer von zu Hause arbeitet, hat mehr Spielraum und dafür das Problem, dass sich alles ausdehnt, was keinen festen Platz im Kalender hat.
Nimm also die Einheit und übersetz sie in deine Woche. Zwei bis vier Stunden sind eine brauchbare Spanne für einen halben Tag. Wenn ein Abend bei dir anderthalb Stunden bedeutet, dann rechne die Woche eben auf zwei Abende.
Woche 1: Für wen machst du das eigentlich?
Ziel: eine Person aufgeschrieben, nicht eine Zielgruppe. Aufwand: ein Vormittag, gern auf zwei Sitzungen verteilt.
Hier hören die meisten auf. Nicht in Woche fünf, wenn es kompliziert wird, sondern hier, in der ersten.
Der Grund ist nicht Faulheit. Die Frage ist unangenehm, weil sie eine Entscheidung verlangt, bevor irgendein Ergebnis sichtbar ist. Du legst fest und bekommst dafür erst mal gar nichts zurück.
Trotzdem hängt alles Weitere daran. Solange nicht feststeht, wen du meinst, gibt es kein Kriterium, um einen Kanal zu wählen, ein Format zu wählen oder einen Satz zu streichen.
Konkret: Beschreib eine Person, keine Gruppe. Welche Kundin war zuletzt ein richtig guter Auftrag? Was war ihr eigentliches Problem, nicht das, was sie angefragt hat? Wie hat sie es selbst genannt? Und wen willst du ausdrücklich nicht? Die ausführliche Fassung dieser vier Fragen steht in meinem Beitrag über die Reihenfolge, die trägt.
Schreib die Antworten auf. Eine Seite reicht. Wenn am Ende der Woche nichts Geschriebenes da ist, ist Woche zwei sinnlos.
Woche 2: Wo ist diese Person unterwegs?
Ziel: ein Kanal entschieden. Einer. Aufwand: ein Abend.
Der Fehler in dieser Woche ist, sie zu groß zu machen. Du brauchst keine Marktanalyse.
Nimm fünf Menschen, die deiner Person aus Woche eins ähneln, und sieh nach, wo sie tatsächlich sind. Zwei davon kannst du auch einfach fragen. Das dauert zehn Minuten und schlägt jede Statistik über Altersgruppen.
Dann entscheidest du dich für einen Kanal. Nicht für zwei. Ein Kanal, der lebt, wirkt vertrauenswürdiger als vier, die halb gepflegt sind.
Die Entscheidung ist das Ergebnis dieser Woche, nicht die Recherche.
Woche 3: Wo landen die Leute, wenn sie dich gefunden haben?
Ziel: eine Stelle, die erreichbar ist und in Sekunden erklärt, was du für wen machst. Aufwand: ein ganzer Tag oder zwei halbe.
Diese Woche fühlt sich nach Umweg an. Sie ist keiner. Wer in Woche fünf veröffentlicht und keinen Ort hat, an dem Leute landen können, schickt Aufmerksamkeit ins Leere.
Es muss keine große Website sein. Es muss ein Ort sein, an dem erkennbar ist: was du anbietest, für wen, und wie man dich erreicht.
Telefonnummer und E-Mail gehören sichtbar auf die Seite, nicht nur ins Impressum. Wenn du regional arbeitest, kommt ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil dazu, und dort auch die erste Bewertung. Kundenstimmen auf der eigenen Seite kann jeder einordnen, du hast sie schließlich selbst ausgesucht.
Woche 4: Was postest du, und wie viel muss vorher fertig sein?
Ziel: ein Format, das sich wiederholt, und die ersten Aufnahmen. Aufwand: ein Nachmittag fürs Format, ein ganzer Tag für die Aufnahmen.
Ein wiederkehrendes Format nimmt dir die Frage ab, was du heute posten sollst. Wenn jeden Dienstag dasselbe kommt, füllst du nur noch den Inhalt.
Dann kommt die Frage, wie viel vorher fertig sein muss. Darauf gibt es keine Zahl, die für alle stimmt. Wer dir eine nennt, hat nicht gefragt, wie schnell du bist.
Ich bin selbst Fan davon, den Content für einen ganzen Monat im Kasten zu haben. Geschafft habe ich das noch nie. Bei mir sind es am Ende zwei Wochen, je nachdem, wie oft ich posten will.
Zwei Wochen sind eine brauchbare Zielmarke. Wichtiger ist aber: Fang lieber an, als zu warten, bis der Vorrat steht. Was du vermeiden willst, ist nicht ein leerer Vorrat, sondern jedes Mal bei null anzufangen. Licht, Ton und Aufbau klärst du einmal, nicht bei jeder Aufnahme neu.
Woche 5: Was ist mit Datenschutz, Musik und all dem?
Ziel: der erste Beitrag ist veröffentlicht. Aufwand: ein Nachmittag für die Einstellungen, dazu die Zeit fürs Veröffentlichen.
Hier steigt die zweite Gruppe aus. Nicht beim Aufnehmen, sondern beim Einrichten.
Der Ablauf ist immer gleich. Es läuft, die ersten Beiträge sind fertig, und dann fällt jemandem ein: Moment, wie ist das eigentlich mit dem Datenschutz? Und was ist mit der Musik? Und brauche ich jetzt ein Impressum? Zwei Tage später ist das Projekt gestorben. Nicht an der Arbeit, an der Unsicherheit.
Deshalb die zwei Punkte, an denen es meistens hängt.
Das Impressum. Betreibst du dein Profil geschäftlich, brauchst du eins. Das greift schon, wenn du regelmäßig über deine berufliche Tätigkeit postest, nicht erst bei Werbung. Die gute Nachricht: Ein klar erkennbarer Link in der Bio auf dein Impressum genügt. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat das im Mai 2026 bestätigt (Az. 15 U 99/24), vorausgesetzt, der Link ist gut sichtbar und die verlinkte Seite enthält ein vollständiges Impressum.
Die Musik. Den Punkt hat fast niemand auf dem Schirm. Instagrams Musikbibliothek ist für die private, nicht kommerzielle Nutzung lizenziert. Geschäftskonten kommen deshalb nicht an den vollen Katalog, sondern nur an die Sound Collection von Facebook, in der die bekannten Titel fehlen.
Diese Sammlung ist aber nicht deine einzige Möglichkeit, sondern nur die eingebaute. Wer Musik geschäftlich nutzt, holt sie sich lizenzfrei, etwa bei Epidemic Sound oder Artlist. Und merkt sich den Satz dahinter: Verfügbar heißt nicht lizenziert. Wenn dir ein Titel angeboten wird, ist das keine Erlaubnis. Der Händlerbund berichtet von einer Abmahnwelle seit 2024 mit Forderungen bis zu 10.000 Euro.
Beides sind Rechtsfragen, und ich bin keine Anwältin. Was ich dir sagen kann, ist, wo es hängt. Für den Rest gibt es Leute, die das dürfen.
Und dann veröffentlichst du. Der erste Beitrag ist der schwerste und der unwichtigste.
Woche 6: Hältst du das durch?
Ziel: eine ehrliche Einschätzung, ob dieser Rhythmus in deine Woche passt. Aufwand: eine Stunde.
Nach sechs Wochen misst du nicht, ob es funktioniert. Dafür ist es zu früh, und jede Zahl, die du jetzt anschaust, führt dich in die Irre.
Du misst etwas anderes: ob du es durchhalten kannst.
Wie viele Beiträge sind tatsächlich rausgegangen, verglichen mit dem, was du dir vorgenommen hattest? Und wie oft hast du abends um zehn noch schnell etwas zusammengeschustert?
Wenn du unter der Hälfte deines Plans liegst, ist der Plan zu groß, nicht du zu langsam. Halbier ihn. Einmal die Woche über sechs Monate schlägt dreimal die Woche über sechs Wochen.
