Und was ist mit Canva?
Canva ist kein KI-Werkzeug, sondern dein Grafikprogramm. Es ist das, was ich Handarbeit nenne: Elemente schieben, Farben wählen, Schriften ausprobieren. Das dauert. Bei fast allen dauert es deutlich länger, als sie vorher schätzen.
Irgendwann fällt dann auf, dass da auch KI-Funktionen drinstecken. Hintergrund entfernen, Bilder erweitern, Texte vorschlagen, Formate umrechnen. Die sind gut und sparen echte Zeit.
Was sie dir nicht abnehmen: die Entscheidung, was auf dem Bild stehen soll. Damit bist du wieder bei der Materialfrage.
Was musst du reingeben, damit etwas Brauchbares rauskommt?
Vier Dinge. Einmal aufgeschrieben, danach immer wieder verwendbar.
Das erste Stück ist die Frage, für wen du da bist. Nicht „für alle", sondern eine Person mit einem Problem. Wenn du hier hängst, ist das kein KI-Thema, sondern die Grundfrage jeder Sichtbarkeit. Ich habe sie in meinem Beitrag über digitale Sichtbarkeit ausführlich beschrieben.
Das zweite ist, wie du redest. Kopier drei bis fünf eigene Texte hinein, an denen du nichts geglättet hast. E-Mails an Kundinnen taugen dafür besser als Instagram-Beiträge, weil du dort natürlicher schreibst.
Das dritte ist, was du anbietest, in deinen Worten. Nicht die Fassung von deiner Website, sondern so, wie du es jemandem im Wartezimmer erklären würdest.
Das vierte ist die kürzeste Liste und wirkt am stärksten: was du nicht sagst. Wörter, die dir nicht gehören. Formulierungen, bei denen du zusammenzuckst.
Das anzulegen kostet dich einen Vormittag. Danach hängst du es an jede Anfrage dran. Der Unterschied ist beim ersten Versuch zu sehen.
Konkret heißt das: Statt „Schreib mir einen Instagram-Beitrag über Rückenschmerzen" schreibst du „Hier sind vier meiner E-Mails und meine Angebotsbeschreibung. Ich arbeite mit Frauen zwischen 30 und 50, die seit der Schwangerschaft Rückenschmerzen haben und schon bei drei Ärzten waren. Schreib mir in diesem Ton einen Beitrag darüber, warum ich beim Erstgespräch immer nach dem Schlaf frage. Vermeide die Wörter ganzheitlich und Wohlbefinden."
Das ist länger. Es ist auch der Grund, warum du hinterher nichts mehr umschreiben musst.
Rechnet sich das?
Beispielwerte, deine können abweichen.
Du veröffentlichst acht Beiträge im Monat. Ohne Material brauchst du pro Beitrag etwa 25 Minuten, weil du den Vorschlag so weit umschreibst, bis er nach dir klingt. Das sind gut drei Stunden.
Mit Material sind es etwa 10 Minuten, weil du nur noch korrigierst statt neu formulierst. Das sind knapp anderthalb Stunden.
Bleiben rund anderthalb Stunden im Monat, bei 23 Euro Abogebühr. Der Vormittag, den die Materialsammlung gekostet hat, ist nach etwa vier Monaten wieder drin.
Das ist keine spektakuläre Rechnung, und ich verkaufe sie dir nicht als eine. Sie wird erst interessant, wenn dieselbe Sammlung auch Angebote, E-Mails und Kursbeschreibungen speist. Dann rechnet sie sich im ersten Monat.
Und wenn du noch gar nicht regelmäßig veröffentlichst, ist die Werkzeugfrage ohnehin nicht dein Engpass. Wie die ersten Wochen aussehen, steht in meinem Fahrplan für den Social-Media-Start.
Wobei dir keins der drei hilft
Drei Dinge machen alle drei Werkzeuge schlecht, und das ändert sich auch nicht durch besseres Material.
Sie erfinden Fakten. Frag nach einer Studie, einer Rechtsgrundlage oder einer Jahreszahl, und du bekommst eine Antwort, die überzeugend klingt und falsch sein kann. Alles, was du weitergibst, musst du nachprüfen. Für die Zahlen in diesem Artikel habe ich jede Quelle einzeln aufgerufen.
Sie kennen deine Zahlen nicht. Umsatz, Auslastung, offene Rechnungen, was ein Kunde wirklich gebracht hat: Das liegt in deiner Buchhaltung, nicht im Chat. Wer sich davon eine Auswertung erhofft, muss die Daten erst zusammenführen, und das ist ein eigenes Projekt.
Sie treffen keine Entscheidung. Sie liefern dir fünf Varianten und keine Empfehlung, auf die du dich verlassen kannst. Welche davon zu dir passt, weißt nur du. Das ist übrigens der Punkt, an dem der Zeitgewinn kippt: Wer sich fünf Optionen geben lässt und dann eine Stunde grübelt, hat nichts gespart.
Was darf da rein und was nicht?
Hier steigen viele aus, und der Punkt ist berechtigt.
Keiner der drei Privattarife kommt mit einem Auftragsverarbeitungsvertrag. Den brauchst du nach DSGVO, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden. Bei OpenAI gibt es ihn erst ab ChatGPT Business, bei Google über Workspace mit entsprechendem Vertrag.
Dazu kommt die Trainingsfrage, und die ist bei allen dreien ähnlich gelagert. Bei ChatGPT werden deine Eingaben in den Privattarifen standardmäßig zur Verbesserung der Modelle genutzt, solange du das nicht abschaltest. Bei Claude steht die Einstellung seit August 2025 ebenfalls auf an; wer sie anlässt, dessen Unterhaltungen werden bis zu fünf Jahre aufbewahrt. Bei Gemini prüfen laut Google Teams einen Teil der Chats, darunter auch externe Dienstleister. Gespeichert wird standardmäßig 18 Monate, geprüfte Chats bis zu drei Jahre.
Die praktische Regel ist kurz: Sobald ein Kundenname im Prompt steht, brauchst du einen Tarif mit Vertrag. Deine eigenen Texte, deine Angebote und deine Ideen kannst du bedenkenlos hineingeben.
Die Trainingsnutzung abschalten kannst du bei allen dreien in den Datenschutzeinstellungen. Das dauert fünf Minuten und gehört zu den ersten Handgriffen nach der Anmeldung.
Ich bin keine Anwältin. Wo es bei dir um Gesundheitsdaten, Personalakten oder Ähnliches geht, hol dir jemanden dazu, der beraten darf.
Musst du da überhaupt mitmachen?
Bitkom hat im März 2026 veröffentlicht, dass 41 Prozent der deutschen Unternehmen KI einsetzen. Ein Jahr davor waren es 17 Prozent. Befragt wurden 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.
Über dich sagt diese Zahl nichts. In dieser Erhebung kommt niemand vor, der allein arbeitet.
Das ist kein Nachteil, sondern eine andere Ausgangslage. Du musst keine Strategie für dreißig Leute bauen. Du brauchst eine Aufgabe, die dich jede Woche Zeit kostet, und dafür eine Lösung.
Woran du merkst, dass ein Werkzeug bei dir bleibt
- Du weißt vor dem Öffnen, welche Aufgabe du damit erledigst
- Du hast eine Materialsammlung, die du jedes Mal mitschickst
- Du korrigierst das Ergebnis, statt es neu zu schreiben
- Es hat einen festen Platz in einem Ablauf, den du sowieso hast
- Du könntest in zwei Sätzen sagen, was es dir spart
Und woran du merkst, dass es wieder verschwindet
- Du öffnest es, um zu schauen, was es kann
- Du fängst jedes Mal bei null an
- Du schreibst das Ergebnis so weit um, dass du es auch selbst hättest schreiben können
- Du hast mehrere Abos und nutzt keins davon regelmäßig
- Du kannst nicht sagen, welche Aufgabe seit dem Abo leichter geworden ist
Der letzte Punkt ist der entscheidende. Wenn du ihn nicht beantworten kannst, liegt es nicht am Werkzeug.
Wenn du nicht weißt, wo du ansetzen sollst
Genau da fange ich an, wenn ich KI-Lösungen entwickle: erst die Aufgabe, dann das Werkzeug. Und du bekommst erklärt, wie es funktioniert, statt eine Blackbox übergeben zu bekommen.
Wenn du eine Idee hast, aber nicht weißt, ob daraus etwas Sinnvolles wird, buch dir ein kostenloses Erstgespräch. Manchmal ist die ehrliche Antwort, dass du dafür keine KI brauchst.